Frage von tuttoClaro, 6

Anleihen generell meiden derzeit als Assetklasse?

ich plane ein Paar neue Anlagen bzw. eine Umschichtung meines Depots. Ich bin mir bei Anleihen sehr unsicher, vor allem auch, weil man von Insidern liest, man sollte diese Assetklasse meiden.

Wie seht ihr das? Anleihen komplett meiden? Oder nur gewisse Branchen oder Regionen nehmen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GAFIB, 3

Fakt ist, dass die Anleihe-Zinsen über ca. 20 Jahre gefallen sind und sich auf historischem Tiefstand befinden. Die Wahrscheinlichkeit für mittelfristige Zinserhöhungen ist recht hoch, in USA z.B. haben diese bereits begonnen.

Gestaffelte Festgelder mit z.B. 1, 3, 5 Jahren Laufzeit erbringen eher höhere Renditen als bonitätsstarke (Bundes-)Anleihen, und das ohne Kursverlustrisiko bei Zinsniveauanstieg.

Ohne angemessenes zusätzliches Engagement im Aktienmarkt ist derzeit jedoch kaum ein Inflationsausgleich zu schaffen.

Eine mögliche Lösung könnte sein: Je nach Risikotragfähigkeit ca. 20-60% in Aktienfonds bzw. ETFs, den Rest verteilt auf Festgelder/Tagesgelder.

http://festgeld.fmh-rechner.de/rechner/fmh2/

Kommentar von gandalf94305 ,

In USA haben keine Zinserhöhungen begonnen. Wo denn? Wie denn?

Anleihe-Zinsen sind niedrig, aber wir haben nicht einen historischen Tiefststand. Von dem haben wir uns bereits wieder 0,3-0,5% im 10-jährigen Bereich entfernt.

Auf keinen Fall sollte man nun in Festgelder investieren, denn das würde ja bedeuten, daß man sich in einer Tiefphase von Kapitalmarktzinsen einen längeren Zeitraum festlegt, obwohl eigentlich Zinserhöhungen erwartet werden. Festgelder haben zwar kein Kursverlustrisiko, aber dafür kann man auch nicht vorzeitig liquidieren bzw. verkaufen. Das Geld ist "festgelegt", wie der Name schon sagt.

Kommentar von GAFIB ,

Zinsanstieg von 1,8% auf 2,6% ist kein Anstieg? Ich sage nicht, dass sich die Verhältnisse nicht ändern können, die FED z.B. spielt eine wesentliche Rolle. Ich sage aber, dass bei historisch niedrigen Zinsen erhebliche Kursrisiken bei börsennotierten Anleihen bestehen.

http://www.comdirect.de -> Informer > Märkte > Zinsen -> USA

Kommentar von gandalf94305 ,

Das ist kein Zinsanstieg, sondern ein Renditeanstieg.

Kommentar von LittleArrow ,

Auf keinen Fall sollte man nun in Festgelder investieren

Es gibt Festgelder mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten, auch unterjährige. Daher ist diese Aussage so generell nicht "sauber". Festgeldlaufzeiten von 6, 9 oder 12 Monate halten doch alle Optionen offen, wenn es an die Wiederanlage nach diesen Zeiträumen geht.

Antwort
von gandalf94305,

Anleihen sollte man als Beimischung immer im Portfolio haben. Dann, wenn alle davon abraten, ist eine gute Zeit, Positionen aufzustocken bzw. aufzubauen. Es gibt allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin gut laufende Rentenfonds - vor allem, wenn diese Papiere solider Unternehmensschuldner mit interessanten Kupons und geringer Duration halten. Daher: man sollte jetzt nicht massiv in Anleihen umschichten, aber beimischen kann man immer. Von ETFs rate ich im Rentenbereich kategorisch ab, da dies eine wesentlich aktivere Strategie erfordert, als das von harmlosen Privatanlegern umgesetzt wird. Aktienlastige Mischfonds schichten selbst passend um und sind daher besser geeignet.

Kommentar von GAFIB ,

Wozu sollte man "Anleihen immer..." haben?

Was man immer braucht zur Risikosteuerung eines Portfolios sind schwankungsfreie Anteile. Dazu dienen Festgelder/Tagesgelder aber genauso, und zwar ohne das aktuell erhöhte Kursverlustrisiko.

Kommentar von gandalf94305 ,

Wenn man gemischte Portfolios mit ca. 80% Aktien und ca. 20% Anleihen im Vergleich zu reinen Aktienportfolios über die letzten ca. 50 Jahre betrachtet, hat das gemischte Portfolio auf jedem 10-Jahreszeitraum besser abgeschnitten als die reine Aktienvariante. Daher ist es sinnvoll, immer eine Anleihenkomponente zu haben.

Schwankungsfreie Anteile sind Unsinn, da diese auch performancefrei sind. Die Risikosteuerung eines Portfolios geht von der Antikorrelation unterschiedlicher Assetklassen bzw. Anlagesegmente aus, so daß sich Risiken gegenseitig aufheben bzw. abschwächen.

Festgelder sind ebenso Unsinn, da man sie im Falle einer ungünstigen Zinsentwicklung nicht einfach verkaufen kann. Das ist bei Anleihenportfolios der Fall.

Tagesgeld kann man zwar täglich liquidieren, jedoch sind hier die Zinsen entsprechend niedrig.

Tagesgeld und Festgeld mit Anleihen zu vergleichen, ist daher wie Äpfel und Birnen mit Rüben zu vergleichen.

Abgesehen davon ist Tagesgeld nur Liquidität, nicht eine Anlageform. Man würde nicht ernsthaft mittel- bis langfristig Tagesgeld als Anlage verwenden, sondern entsprechende Anleihen aus dem jeweiligen Währungsraum, da diese höher rentieren als Tagesgeld.

Kommentar von GAFIB ,

"Schwankungsfreie Anteile sind Unsinn, da diese auch performancefrei sind." -> ???

Wo bitte ist der Unterschied zwischen 2% auf Festgeld oder 2% auf eine Anleihe???

Dass Anleihen in Zeiten rückläufiger Renditen Kursgewinne zeitigen zeigt eben nur, dass es bei ansteigenden Renditen genau umgekehrt zu Kursverlusten kommt, oder etwa nicht?

Da ich kein "Fondsverbands-Beauftragter" bin, schließen meine Betrachtungen generell auch Instrumente außerhalb von Aktien- und Rentenfonds ein -;)

Kommentar von gandalf94305 ,

Der Unterschied zwischen einem Festgeld zu 2% und einer Anleihe mit 2% Kupon besteht darin, daß ich die Anleihe jederzeit liquidieren kann. Festgeld bleibt festgelegt. Nur die Definition von Festgeld führt dazu, daß der Anlagebetrag "schwankungsfrei" ist. Wäre dies eine börsengehandelte Inhaberschuldverschreibung, dann wäre auch hier ein Kurs entsprechend nicht "schwankungsfrei".

Was die Anleihen anbelangt, so steigen nicht Renditen an, sondern risikolose Marktzinsen. Dadurch fallen die Kurse von Anleihen, da der Kupon ja fix ist und irgendwie der Risikospread zum risikolosen Zins abgebildet werden muß. Dadurch steigen Renditen. Allerdings nähern sich diese auch wieder den 100% an, je näher man an den Fälligkeitstermin kommt.

Wer keine Fonds mag, kann gerne einzelne Anleihen und Aktien kaufen. Allerdings wäre das nur empfehlenswert, wenn man bei einer Mindestpositionsgröße von ca. 2.000 EUR dann mind. ca. 40-50 Positionen hält, d.h. ein Mindestanlagevolumen von ca. 100 kEUR hat. Ansonsten würde eine Wackelposition das Portfolio zu sehr beeinflussen.

Antwort
von althaus,

Welche Gründe sprechen derzeit für Anleihen? Keine! Daher macht es auch keinen Sinn in Anleihen anzulegen. Gute und solide Qualität rentiert auf 10 Jahre keine 2%. Also lass Dir was anderes einfallen.

Kommentar von tuttoClaro ,

dann will ich hoffen, dass mir was gutes einfällt :)

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