Frage von janulka, 74

Anlageberatung - Interessenkonflikte

Ich möchte fragen, wie die Interessenkonflikte in der Anlageberatung entstehen können, z. B. bei der Provisionsberatung, wenn nach dem WpHG §31 muss sich der Berater um die Vermeidung von Interessenkonflikte bemühen und vor der Durchführung muss Art und Herkunft von Interessenkonflikte erklären. Danke.

Antwort
von leuschner44577, 70

Mit den Interessenkonflikten in der Anlageberatung sind die Konflikte gemeint, die entstehen können, wenn Provisionsinteressen des Beraters den Kundeninteressen widersprechen. Um dies zu vermeiden, sind Provisionszahlungen für den Kunden offen zu legen. Dies soll dem Kunden zumindest die Möglichkeit geben, eine Anlageempfehlung auch unter dem Gesichtspunkt möglicher Eigeninteressen des Beraters zu beurteilen.

Bei Banken und gebundenen Vertrieben besteht außerdem oft noch eine gewisse Verpflichtung oder Anreize Produkte aus dem eigenen Hause/ Konzern zu forcieren oder sogar ausschließlich zu verkaufen.

Antwort
von Niklaus, 40

Interessenskonflikte können entstehen, wenn ein Berater nur Fonds bestimmter Fondsgesellschaften nimmt, weil er von dieser z.B. noch irgendwelche umsatzabhängige Incentives bekommen würde.

Damit diese nicht geschieht, muss im Beratungsprotokoll genau stehen welche Provision er für die Vermittlung eines Produktes bekommt und welche sonstigen Zuwendungen er noch bekommt.

Ein seriöser Anlageberater hat keine zusätzliche Zuwendungen von irgendwelchen Produktpartnern und somit auch keine Interessenskonflikte

Kommentar von janulka ,

Also Gesetz spricht, dass Interessenkonflikte - die Provisionen - offengelegt sein müssen und danach die Kunden wissen, wofür der Anlageberater die Provision hat. Warum will die EU durch MiFID das Provisionsverbot und unabhängige Berater, wenn alles schon jetzt offengelegt ist - also Kunden schon alles wissen?

Kommentar von Niklaus ,

Finanzanlagenvermittler nach § 34 f GewO , müssen heute schon jede Vergütung dokumentieren. Bei Versicherungsvermittlern nach § 34 d GewO ist das nicht so. Im Falle der Versicherungsvermittler ist das sehr kompliziert. Denn viele Versicherungsmakler, arbeiten wegen dem erforderlichen deutschlandweiten Produktuniversum, auch mit so genannten Maklerpools zusammen. Dort kann ein Versicherungsmakler nahezu den kompletten Versicherungsmarkt für seine Kunden bekommen. Da der Maklerpool für den Versicherungsmakler ein Dienstleistung erbringt, entlohnt er sich durch einen teil der Provision, die vom Versicherungsunternehmen gezahlt wird. Das ist bei jeder Versicherungsgesellschaft und jeder Versicherungsart unterschiedlich. Wenn dann im Beratungsprotokolle statt 4,5 % nur 4,3 % stehen würden, wäre diese ein Haftungsfall der vor Gericht entscheiden werden müsste. Sorry aber das ist lächerlich. Die Kosten der Versicherung stehen im Produktinformationsblatt. Wozu muss man wissen, welchen Umsatz der Vermittler damit macht. Es sind so wieso immer nur Zehntel Unterschiede in der Provision.

Warum das die EU und MiFid schon wissen will ist mir unklar. Eines ist sicher, der Verbraucherschutz hier in Deutschland spielt falsch. Der Verbraucherschutz möchte mehr in die Versicherungsberatung und/oder Vermittlung. Dabei haben die Leute dort überhaupt keine Ahnung. Wenn eine der obersten Verbraucherschützerinnen Deutschlands, sagt. Die Verbraucher sollten keine teuren Versicherungen oder riskante Fonds für ihre Altersvorsorge kaufen und stattdessen ihr Geld für die Altersvorsorge in Festgeld investieren, kann ich nur sagen setzen Note 6. Ein Versicherungs- oder Finanzanlagenvermittler hätte mit dieser aussage ein Haftungsproblem.

Kommentar von janulka ,

Danke, aber ich orientierte mich nur auf die Anlageberatung. Nicht auf Versicherungsvermittlung. Wie ist das nur bei der Anlageberatung? Weil es unterschiedlich ist...

Kommentar von Niklaus ,

Das habe ich doch geschrieben. Ich bin Finanzanlagenvermittler und -berater nach § 34 f GewO. Ich muss jede Provision dokumentieren und angeben ob ich sonst noch irgendwelche Zuwendungen von dem vermittelten Unternehmen unterhalte. Ich unterliege auch der jährlichen Überprüfung durch einen Wirtschaftsprüfers.

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