Frage von dorilein, 48

Anlage von Geld aus Lebensversicherung - Berater hat konkrete Pläne - Nur wie gut sind diese?

Möchte mir gerne eine Zweitmeinung von der Community einholen. Zur Situation: Ich möchte 70000 Euro aus einer Lebensversicherung neu anlegen. Ich bin 32 Jahre alt und benötige das Geld definitiv die nächsten Jahre nicht.

Empfehlung vom Investmentberater: Anlage in Fonds

dazu hat er mir konkrete Frage gestellt etc um meine Risikobereitschaft zu ermitteln etc.

Naja Ergebnis:

Ich bin recht risikobereit. Das wusste ich zwar vorher schon. Aber die Fragen haben das nochmal bestätigt.

Folgende Fonds möchte der Berater gerne zusammen stellen.

Aktienfonds weltweit (10000), Aktienfonds europäisch (10000), Aktienfonds Schwellenländer (5000), Aktienfonds Grenzmärkte (5000), Aktienfonds Afrika (5000), Aktienfonds europäische Schwellenländer (5000), Aktienfonds Asien (10000), Mischfonds weltweit (20000)

Renditeerwartung liegt dabei laut seiner Aussage bei 8-10% . Ist wohl eine recht offensive Zusammenstellung. Er sagt aber auch, dass sich die Fonds nicht so stark gegenseitig beeinflussen und daher mit nem relativ stabilen Verlauf gerechnet werden kann.

Trotzdem ist mir wichtig, dass ich wenn ich die 70000 Euro anlege weiß, dass diese gut investiert sind. Wie würdet Ihr denn eine solche Summe investieren?

Antwort
von jsch1964, 48

Fast alle Fondsinvestments sind, zum Zeitpunkt des Abschlusses, bei entsprechend guter Beratung, eine gute Idee. Die o.g. Renditen sind auch keineswegs utopisch oder sonderlich risikobehaftet.

In meinen Augen wichtiger ist allerdings die Frage, wie gut und wie oft Du Dich selber weiter mit Deinen Anlagen beschäftigen kannst und willst? Was heute gut ist, stimmt wahrscheinlich in einiger Zeit nicht mehr. Und wie gut, glaubst Du, wird Dich Dein Finanzberater betreuen (können)? Ist er schnell genug, um bei plötzlichen Turbulenzen alle seine Anlegerkonten zu überwachen, die Kunden anzurufen und dann auch noch deren Aufträge schnellstmöglich umzusetzen? Wieviele Kunden betreut er überhaupt? Bist Du wichtig oder nur eine Nummer von vielen?

Meine Kollegen hier wissen, dass ich die ganze Börsenwelt nicht sonderlich mag, weil mir da zuviel Politik und Psychologie die Kurse bestimmt und nicht Angebot und Nachfrage. Nichtsdestotrotz (oder vielleicht auch gerade deshalb) bin ich eher ein Freund von Fonds-Vermögensverwaltungen (wenn es denn Börsenprodukte sein sollen). Mit der Aufteilung "Anleger gibt Geld - Vermittler betreut den Anleger - Vermögensverwaltung betreut die Anlegergelder" bekommen alle Beteiligten die bestmöglichen Ergebnisse. Und der Kunde muss nicht jede Änderung in seinem Depot absegnen, weil die Verwaltung auf Marktänderungen selbstständig reagiert und aktiv wird. Das verhindert die großen Abstürze in den Anlagen. Als Anleger wählst Du eine Strategie (oder eine Kombination aus verschiedenen Strategien) und gut ists.

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 42

Das wären

  • Aktien Industrieländer global 14%
  • Aktien Europa 14%
  • Aktien Emerging/Frontier Markets 43%
  • Aktien Asia/Pacific (meist Japan, Australien, etwas HK, Taiwan und Südkorea) 14%
  • Mischfonds global 29%

Da steckt viel Offensive in der Emerging Market Komponente, die jedoch durch den Mischfonds wieder relativiert wird.

Asia/Pacific wird Überlappungen mit Aktien global und Emerging/Frontier Markets haben. Das würde ich entzerren.

Weiterhin: Du lebst im EUR-Raum, d.h. ein deutlicher Anteil sollte im EUR-Raum angelegt sein. 14% ist wenig.

Offensiv genug wäre daher aus meiner Sicht immer noch

  • Aktien global 20-25%
  • Aktien Europa 20-25%
  • Aktien Emerging/Frontier 30-40% (z.B. Emerging 20-30%, Frontier 10-20%)
  • Mischfonds max. 20%

Insbesondere bei der Auswahl der Fonds für Emerging/Frontier Markets sollte man darauf achten, ob Du selbst aktiv umschichten bzw. nachkaufen möchtest, oder ob es eher ein allgemeines Investment wird, das dann auf Fondsebene passend umschichten soll.

Weiterhin würde ich klar eine Strategie festlegen, nach der Aufstockungen bzw. Rebalancings stattfinden. Eine Fondsanlage ist nichts Statisches, das wird leben. Daher mußt Du irgendwie die Anlage beobachten und justieren - alleine oder mit Hilfe.

Soviel mal auf die Schnelle...

Kommentar von gandalf94305 ,

PS: Und natürlich ist die hübscheste Allokation nichts wert, wenn man nicht entsprechend geeignete Fonds auswählt. Daher ist die Diskussion um die Allokation natürlich etwas abstrakt.

Kommentar von LittleArrow ,
Aktien Emerging/Frontier Markets 43%

Nicht 29 % (= t€ 20 von 70)?

Kommentar von gandalf94305 ,

Hmm... weiß auch nicht, warum da 43% steht :-)D

Antwort
von Tritur, 42

Der Herr Anlageberater hat in Eigeninteresse beraten, und gleich (ohne Namen zu nennen!!) mindestens acht verschiedene Fonds empfohlen, deren Zusammensetzung sich mehrfach überschneiden. Da wirst Du wohl mehrmals im Jahr seinen teuren Rat suchen müssen um kostenpflichtig umzuschichten.

Ich an Deiner Stelle würde das Geld in ein oder zwei gute, international anlegende, flexible und thesaurierende Mischfonds mit deutscher Domizilierung anlegen.

Alle erforderlichen Umschichtungen zur Anpassung des Fondsvermögens an die sich ständig ändernden Umstände werden dann von professionellen Fondsmanagern (und nicht von provisionsgeilen Vermittlern) vorgenommen, finden innerhalb des Fonds zu den geringstmöglichen Transaktionskosten statt und alle im Fonds anfallenden Kosten mindern die zu zahlenden Steuern, welche überdies vom Fond und Deiner Depotbank abgeführt werden. Bequemer, billiger und besser geht es nicht.

Ich empfehle zur Anlage den RIV Rationalinvest VVF (WKN: A0MVZQ). Kaum ein Fonds der die oben genannten Kriterien erfüllt, war in den letzten drei Jahren besser.

Die meist anfallenden Ausgabeaufschläge kann man entweder durch Verhandlung mit eigenen Bank stark verringern, oder durch den Kauf der Fondsanteile an der Börse Hamburg.

Kommentar von Niklaus ,

Na finde da gibt es mehrere Fonds die besser sind.

Kommentar von Tritur ,

Das mag sein, aber ich bin kein Fondsanalyst.

Wenn Du mir noch ein paar andere Mischfonds nennen würdest, welche im Mehrjahresvergleich nicht nur besser performen, sondern auch die Kriterien international anlegend, flexible Asset Allokation, thesaurierend und deutsche Domizilierung erfüllen, dann würdest Du mir und sicher noch manchem Anderen einen großen Gefallen tun.

Vielen Dank im Voraus.

Kommentar von Tritur ,

Hallo Niklaus, bitte antworten!

Antwort
von Niklaus, 35

Ich würde das Portfolio bei Deiner Vorgabe wie folgt aufteilen.

  • Mischfonds International 20.000 EUR
  • Mischfonds Europa 20.000 EUR
  • Aktienfonds International 13.000 EUR
  • Aktienfonds Europa 10.000 EUR
  • Aktienfonds EM 7.000 EUR

Das entspricht

  • Mischfonds 57%
  • Aktienfonds 33%
  • Aktienfonds EM 10%
Kommentar von Niklaus ,

Ich habe die Frage falsch gelesen. Ich hab weniger risikobereit gelesen. Du bist aber recht risikobereit. Dann würde mein Portfolio wie folgt aussehen.

  • Mischfonds International 15.000 EUR 21%
  • Aktienfonds International 15.000 EUR 21%
  • Aktienfonds Europa 15.000 EUR 21%
  • Aktienfonds USA 15.000 EUR 21%
  • Aktienfonds EM 10.000 EUR 14%
Antwort
von TBergmann, 31

Damit du auch noch eine andere Meinung als 100% Fonds bekommst, nun mein Statement:

Ich arbeite seit 1999 in der Anlagebranche und habe 2000/2002 und 2008/2009 miterlebt.

Meine persönliche Einschätzung ist, wenn es in den nächsten Wochen zu einer Aktienkrise kommen würde, ist ein Depotstand von 30-40.000 als realistisch anzusehen. Du muss die im klaren sein, dass es auf der einen Seit noch 1 oder 2 oder auch 3 Jahre weiter steigen kann, aber eben auch nicht.

Da die Aktienmärkte seit 6 Jahren steigen, steht also irgendwann eine Krise an. Was spricht dagegen kontinuierlich in die Fonds zu investieren?

Oder ausschüttende Immobilienfonds hinzuzufügen?

Dein Anlagevolumen besitzt die Größe, dass auch Projektfinanzierungen mit dabei sein können.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass es vollkommen egal ist, ob ich 2-3 Aktienfonds investiere oder in 15 oder 20. in einer Liquiditätskrise gehen alle täglich handelbaren Wertpapiere in den Keller.

Es gibt absolut erstklassige Beteiligungen mit kurzen Laufzeiten und sehr ordentlichen Renditen, allerdings sind diese oft nicht frei verfügbar, so dass es von der Masse nicht angeboten wird.

Des weiteren gibt es nach angaben der IHK seit 1.1.2015 nur noch ca. 6.706 Vermittler in Deutschland welche Beteiligungen/Vermögensanlagen vermitteln dürfen. Durch den Wegfall der befristeten 34f Verträge wird damit gerechnet, dass die Hälfte der Zulassungen zum 1.1.2015 weggefallen sind. Sollte dies der Fall sein, gäbe es in ganz Deutschland nur noch 3-4.000 Vermittler für Beteiligungen/Vermögensanlagen. Dem stehen ca. 40.000 Vermittler von offenen Immobilienfonds gegenüber.

Ich schreibe dies nur deshalb, damit klar ist, dass professionelle Beteiligungsangebote nur noch sehr selten den Weg zum Privatkunden finden werden.

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