Frage von gulia,

Angebot Winterdienst für Privatstrasse von Hausmeisterservice - steuerlich absetzbar?

Meine Eltern wohnen am Ende einer Privatstrasse, die zu jeweils 1/3 den drei Anwohnern gehört. Steht auch so im Grundbuch. Die Strasse wird nicht öffentlich geräumt. Nun haben sie ein Angebot eines privaten Hausmeisterdienstes, der die Strasse im Winter räumen würde. Kann man diesen Aufwand steuerlich geltend machen? Ich dachte vor kurzem etwas darüber gelesen zu haben, eine Bekannte meinte aber, dass haushaltsnahe DL nicht möglich wäre, da es nur für Leistungen im eigenen Haus gilt.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FREDL2,

Das ist positiv erstritten worden. Kosten für Winterdienst durch eine Firma sind bei den haushaltnahen DL mit beinhaltet. Die Arbeitskosten incl. MwSt, nicht aber das Material.

Voraussetzung für die Gewährung des Steuervorteils ist auch hier ist eine Rechnung des Dienstleisters und der Nachweis, dass der Betrag auf dessen Bankkonto gutgeschrieben wurde (z.B. Einzahlungsbeleg, oder Kontoauszug). Barzahlungen werden nicht anerkannt.

Kommentar von LittleArrow ,

Das sehe ich bis auf eine Kleinigkeit genauso:

*Arbeitskosten incl. MwSt, *nicht aber das Material**

Im Falle des Schneeräumens handelt es sich allerdings um Verbrauchsmaterial (z. B. Sande, Splitt und Streusalz). Solches Verbrauchsmaterial gehört mit zur Bemessungsgrundlage.

Das mit dem nicht abzugsfähigen Material kommt vornehmlich bei gebäudebezogenen Maßnahmen vor. Ein Beispiel ist hierfür ist eine Badezimmerrenovierung oder der Wohnzimmeranstrich. Die dabei angesetzten eingebrachten Materialien, z. B. Fliesen, Badewanne, Sanitätinstallation und Wandfarbe sind nicht abzugsfähig. Abzugsfähig wären allerdings die Abdeck-, Abklebe- und Reinigungsmaterialien (und die vom Handwerker dabei übernommene Nebenleistung "Entsorgung von Bauschutt").

Kommentar von FREDL2 ,

@LittleArrow: Quelle? ;-))

Kommentar von LittleArrow ,

:-))

Antwort
von LittleArrow,

Ergänzend zu meinem Kommentar und zur Nachfrage von *FREDL2 gebe ich gerne nochmal die von mir vielfach in diesem Forum zitierte Kurzquelle für haushaltsnahe Handwerker- und Dienstleistungen an: http://kuerzer.de/BMFhndl

Damit das Lesen (und Verstehen) dieser 30-seitigen Pein und Freude leichter wird, empfehle ich insb. die Textziffern 12, 15, 35 und 36 für den Fragefall.

Die Anforderungen an Rechnungstellung und Bezahlung kann man in diesem BMF-Schreiben vom 15.02.2010 auch genau nachlesen. Übrigens auch, welche Art der "Barzahlung" steuerlich doch anerkennungsfähig ist, nämlich die Bareinzahlung des Kunden auf das Bankkonto des Dienstleisters. Wesentlich ist die bankmäßige Dokumentation der Zahlung (s. BUNDESFINANZHOF, Urteil vom 20.11.2008, Az. VI R 14/08). Dies findet sich auch im Wortlaut des aktuellen § 35a, Abs. 5 Satz 3 EStG: "Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist".

Kommentar von FREDL2 ,

@LittleArrow: Brav! Gibt auch ein Gutzi dafür.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke, das baut mich auf :-))

Kommentar von LittleArrow ,

In dem o.a. BMF-Schreiben werden in Textziffer 12 haushaltsnahe Dienstleistungen im öffentlichen Raum von der steuerlichen Absetzbarkeit ausgeschlossen: "Bei Dienstleistungen, die sowohl auf öffentlichem Gelände als auch auf Privatgelände durch-geführt werden (z. B. Straßen- und Gehwegreinigung, Winterdienst), sind nur Aufwendungen für Dienstleistungen auf Privatgelände begünstigt. Das gilt auch dann, wenn eine konkrete Verpflichtung besteht (z. B. zur Reinigung und Schneeräumung von öffentlichen Gehwegen und Bürgersteigen).*"

Dies wollte ein mutiger Berliner Steuerzahler nicht hinnehmen und hat erfolgreich die Absetzbarkeit der Aufwendungen (€ 142,80!) für Schneeschippen auf öffentlichem Gelände durch einen Dienstleister vor dem FG Berlin-Brandenburg (Az. 13 K 13287/19 vom 23.08.12) erstritten, allerdings mit Revisionsvorbehalt beim BFH. Interessierte Leser sollten daher derartige Aufwendungen (z. B. Schneeschippen, Bürgersteigreinigung, Laubfegen) auf öffentlichem Gelände, zu denen sie wegen der Kommunalsatzung verpflichtet sind, in ihrer Steuererklärung geltend machen und gegen die zu erwartende Ablehnung unter Berufung auf das FG-Urteil Einspruch erheben und beantragen, die Entscheidung bis zum BFH-Entscheid ruhen zu lassen.

Mal sehen, ob der Link zum Urteilstext hier funktioniert: http://www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/?quelle=jlink&am...

Ja, aber für den Urteilstext bitte auf den Reiter Langtext klicken!

Kommentar von FREDL2 ,

@LittleArrow: ich finde, da wurde die Rechnung ganz einfach doof gestellt. Unserer schippt vor und hinter dem Haus und auf der Rechnung steht "schippen". Gab noch nie ein Problem damit.

Kommentar von LittleArrow ,

Am 11.06.2014 hat der BFH (Az. VI R 55/12) die Abzugsfähigkeit zugelassen.

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