Frage von najaundso, 34

Altersvorsorge mit ETF´s

Hallo,

ich habe mir ein Depot zusammengestellt und wollte um eure Meinung bitten. Sparen möchte ich monatlich etwa 125 Euro gedacht für die AV in 30+ Jahren.

ETF110 COMSTAGE ETF MSCI WORLD 70 Euro mtl. DBX1EM MSCI EMERGING MARKETS 30 Euro mtl. ETF500 IBOXX EUR LIQUID SOVEREIGNS DIVERSIFIED 25 Euro mtl.

Folgende Zusammenstellung kommt dann raus:

56 % Welt, 24 % EM, 20 % Renten Euro

1 x im Jahr möchte ich das ganze auf den Ursprungswert "rebalancing".

Ist diese Zusammenstellung i.O.? Ich habe nur 25 % Renten und 75 % Aktien. Das ist so gewollte, noch habe ich Zeit...

Grüße

Antwort
von gandalf94305, 34

Ich versuche das mal von verschiedenen Seiten her zu beleuchten.

Portfolio-Allokation

Deine Portfolio-Allokation ist recht einfach. Du gehst davon aus, daß langfristigen Betrachtungen zufolge ein Portfolio von ca. 20% Anleihen und 80% Aktien die beste Performance hat und gegenüber reinen Aktien- oder reinen Anleihen-Portfolios besser dasteht. Das ist in der Rückrechnung richtig. Historisch betrachtet waren Anleihen ein guter Puffer gegen Volatilitäten und Downturns im Aktienmarkt.

Dem Welt-BIP zufolge haben die Emerging Markets ungefähr gut 1/3, die Industrieländer ungefähr knapp 2/3 Anteil. Je nach Schätzungen liegt man also bei einem Emerging/Frontier Markets Anteil von ca. 35-40%, Tendenz wachsend. Auf längere Sicht gerechnet kann man sicher am oberen Ende liegen.

Du hast mit 30% Emerging Markets eher tiefgestapelt, d.h. den Bias auf den MSCI World gelegt. Dieser ist nun leider mit über 50% Nordamerika, d.h. da sehe ich ein Risiko. Für jemanden, der im EUR-Raum lebt und Gehalt bezieht, wäre eine Aufteilung mit vielleicht 25% Europa, 30% Welt und 25% Emerging Markets realistischer. Wenn schon ein ETF, dann einen auf den Stoxx Europe 600 TR.

Der MSCI EM hat den Schwerpunkt im ASEAN-Bereich. Die wirklichen Wachstumsmärkte in Latein Amerika und Afrika sind hier deutlich untergewichtet, während die bereits recht industrialisierten Emerging Markets in Asien mit geringeren Wachstumsaussichten hohes Gewicht haben.

ETFs oder herkömmliche Fonds?

Im Grunde geht es bei der Auswahl der Instrumente um eine Wahl der Strategie. Eine Indexstrategie folgt festen Regeln und wird in Deinem Fall die größten oder liquidesten Positionen eines definierten Marktes wählen. Ein aktiv verwalteter Fonds kann flexibler reagieren und obwohl über 80% der Fonds ihre Benchmarks nicht schlagen, kann man ja auch versuchen, die 20% guten Fonds zu finden. In Krisenzeiten wird ein Index mit dem Markt (den er ja repräsentieren soll) in die Tiefe rauschen und sich mit diesem erholen. Ein aktiv verwalteter Fonds hat die Chance, frühzeitig Verluste zu begrenzen oder beispielsweise Branchen anders zu gewichten, um weniger abzustürzen, jedoch an der Erholung dennoch zu partizipieren.

In liquiden Märkten sind Marktindices ein valides Mittel, um Beta mitzunehmen. In engeren und z.T. schwer zugänglichen Märkten sind ETFs schlechte Konstrukte, da sie nicht die Quelle einer Ertragskraft repräsentieren. Vergleiche dazu beispielsweise mal den von Dir genannten DB x-trackers MSCI EM mit dem First State Global Emerging Markets Leaders (GB00B2PDTP51). Hier ist schön die Reaktion des Fonds im Gegensatz zum ETF an mindestens vier Krisenpunkten zu sehen. Vergleiche ihn auch mal mit dem JPM Africa (LU0355584979).

Wer vor drei Jahren in den ETF investiert hat, liegt nun wieder beim Einstandspreis, während der Fonds bei +30% liegt. Ein monatlicher Sparplan würde ca. -3,5% Verlust ergeben, während der Sparplan auf den Fonds immerhin bei +23,5% liegt. Du kannst das auch hier mal selbst durchrechnen: http://www.fondsweb.de/fondsrechner

Beim MSCI World liegt der ETF vielleicht gar nicht so schlecht. Bei Europa gibt es sehr gute Fonds, die übliche Indices nachhaltig schlagen.

Im Rentenbereich sind ETFs ungünstig, da sie eigentlich bei drohenden Veränderungen in der Zinsstruktur eines Marktes eine Neuausrichtung erfordern. Geht aber im ETF nicht. Das muß der Anleger durch Wahl anderer ETFs durchführen.

Durch die immer mehr wachsende Korrelation in BlueChip-Indices enthaltener Papiere, die in Rückgängen sogar zunimmt, werden ETFs jedoch an Rückgängen stärker partizipieren, als wenn man auch in Nebenwerte diversifiziert. Betrachte mal in den Industrieregionen Nordamerika, Europa und Asien jeweils die Entwicklung der Mega/LargeCaps vs. Mid/SmallCaps. Das liegt einfach daran, daß die kleineren Unternehmen zwar konjunktursensibler sind, aber letztendlich Innovation und Spezialkompetenzen in den Markt bringen. Sie sind die wesentliche Ertragsquelle.

Ich persönlich würde daher auf herkömmliche Fonds setzen, die wesentliche Indices outperformen, bzw. (wenn es keine solchen gerade gibt) auf passende ETFs. Unebenheiten der Indices wären durch geeignete Wahl der ETF-Basiswerte auszugleichen (z.B. die Unterrepräsentation von Europa im MSCI World durch eine Beimischung eines Stoxx Europe 600 ETF).

Rebalancing

Rebalancing kann teuer werden, wenn es nur um, absolut betrachtet, kleine Beträge geht. 125 EUR p.m. sind ja gerade mal 1.500 EUR p.a. Daher würde ich Rebalancing zwar durchführen, jedoch durch Zukaufen geeigneter Positionen, nicht durch Verkauf.

Ebenso würde ich in Tiefphasen eines Segments dort den Sparplan etwas erhöhen, in Hochphasen etwas erniedrigen.

Alleine die Vermeidung der klassischen Termine des 01. und 15. eines Monats und statt dessen der Kauf von Fonds/ETFs beispielsweise zum 04. und 19. eines Monats bringt über die letzten 10 Jahre schon einen zusätzlichen Ertrag von mind. 0,5% p.a.

Kommentar von gandalf94305 ,

Fazit

Die Marktanteile in der Allokation würde ich etwas anders wählen, da ansonsten nicht-EUR-Währungen einen ganz wesentlichen Schwerpunkt des Portfolios darstellen werden.

Für Aktien International ist der MSCI World nicht so eine schlechte Wahl. Für Aktien Europa würde ich einen Fonds bevorzugen. Für Aktien Emerging Markets und den Rentenbereich sollte aufgrund der Markteigenheiten ganz klar ein Fonds ausgewählt werden. Der ETF500 ist mit seinem Fokus auf EUR-Anleihen meines Erachtens zu speziell und uneeignet.

Trailing oder gewöhnliche Stop-Loss Limits würde ich nicht setzen, wenn die Anlage auf 15+ Jahre ausgelegt ist.

Aus steuerlichen Gründen würde ich Aktienfonds mit Thesaurierung Null und Rentenfonds mit Ausschüttungen wählen.

...und dann sprechen wir uns in 15 Jahren wieder :-)

Antwort
von najaundso, 30

Hallo und danke für eure super schnellen Antworten.

Das alle aktiven Fonds früher oder später Gegenüber dem Index verlieren ist ja nun bekannt, daher kann ich deine Antwort Niklaus, nicht so verstehen. Mein Zeithorrizont ist sehr lange gedacht, Verluste kann ich aussitzen, wenn es auf die Rente zu geht wird der Aktienanteil natürlich reduziert. Und grade auch in der Krise haben die Fondsmanager sich nicht mit Ruhm bekleckert. Alleine schon die jährlichen Kosten hauen mich um bei dem kleinen Einsatz, das müssen sie erst mal wieder raus haben. Da bleiben nicht mehr viele übrig, Carmignac Patrimoine vielleicht, ein Schwergewicht mit fast 2 % jährlichen Kosten, und bin dem Management ausgeliefert, nein danke. Nur mal so am Rande, ich zahle für die ETF´s gar nichts und eine TER jährlich von unter 0,5 % Gesamt.

Das mit den Anleihen überlege ich mir noch, der Freibetrag ist meißt ausgeschöpft obwohl ich sogar doppelt so viel habe. :-) Geht natürlich direkt in den Schmuckfonds...

Die Anleihen waren dafür gedacht um einen kleinen Gegenpool zu haben, das überlege ich mir noch, viel gibt es ja da zur Zeit wirklich nicht. Sollten die Aktien dannaber wieder fallen, sollten die Anleihen das etwas auffangen, dachte ich zumindest.

Kommentar von Niklaus ,

Das alle aktiven Fonds früher oder später Gegenüber dem Index verlieren ist

Diese Aussage ist ja nicht richtig. Sie wird von den Indexfondsbetreibern und -anlegern immer wieder kolportiert. Sicher sind nicht alle gemanagten Fonds gut, aber in die legt man ja nicht an.

Kommentar von leuschner44577 ,

ach so, das weiß man vorher, welche den Index schlagen und in welche man nicht anlegt. Dann ist es ja ganz einfach.

Kommentar von Niklaus ,

Vorher weiß das natürlich niemand. Aber bei einer seriösen Auswahl mit Blick auf die bisherigen Leistungen, die Fondsgesellschaft, den Markt, der Fondskategorie, dem Sharpe Ratio, der Volatilität u.v.m. findet man schon die richtigen Fonds aus den 11000 Fonds.

Antwort
von GAFIB, 30

Das ist ein sehr einfacher Ansatz, aber nicht falsch.

Bitte noch auf folgendes achten: Zunächst ausschüttende Varianten wählen bis der Freibetrag von 801 € p.a. ausgeschöpft ist. Danach sind thesauriende Fonds günstiger, weil sie den Zinseszinseffekt automatisch nutzen.

Einen Rentenanteil braucht man nicht bei einem so langen Anlagehorizont von 30+ Jahren, der kostet nur Rendite. Einfacher wäre, die erforderliche Liquidität per Tagesgeld zu halten, ansonsten 100% in Aktienfonds.

Wenn zwischenzeitlich mal größerer Liquiditätsbedarf besteht, ist ggf. eine weitere Aufsplittung sinnvoller, vgl. Link.

http://www.finanzfrage.net/tipp/global-investiert-sein-bei-bester-liquiditaet

Kommentar von GAFIB ,

Hier auch noch ein Link zur Portfolio-Theorie, der die Grundlagen rationalen Investierens einfach darstellt:

http://www.portfoliotheorie.com/Grundlage/index.htm

Antwort
von Niklaus, 24

Persönlich finde ich ETFs grundsätzlich falsch. Ich möchte nicht den Mehrwert von guten gemanagten Fonds vermissen und auch nie den vollen Kursabstieg bei einer Baisse erleben.

Antwort
von tommy06, 23

Diese Frage hast Du doch schonmal gestellt, wie oft noch ?

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