Frage von microgeo, 47

Besteht momentan akute Crashgefahr an den Börsen?

Aus einem Artikel auf finanzen100 sinngemäß entnommen:

  1. Mit einem gewaltigen Konjunkturprogramm hat China 2008 die Weltwirtschaft gestützt. Nun schwächelt die chinesische Wirtschaft deutlich. Selbst die massive Lockerung der Geldpolitik konnte dies nicht verhindern können.

  2. Die Konjunkturflaute in China schickt Rohstoffpreise in den Keller. Das bringt die Unternehmen aus dem Bereich massiv unter Druck. In die US-Frackingindustrie sind in den vergangenen Jahren hunderte Mrd. von Dollar geflossen. Mit dem Einbruch des Ölpreises wächst nun die Gefahr von Kreditausfällen in dem Sektor.

  3. Entsprechend schießen die Zinsen in dem Markt für Ramschanleihen hoch. Das wiederum belastet die Gesamtwirtschaft. Ficenec weist darauf hin, wie extrem hoch der S&P500 bewertet ist. Gemessen am CAPE-Ratio hat der Index ein KGV von 27,2. Das liegt um 64 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt.

Ein weiterer Verfall der Rohstoffpreise wird für einen weiteren Rückgang der Rohstoffwährungen, wie den russischen Rubel, den australischen Dollar und den brasilianischen Real führen. Das bedeutet noch trübere Perspektiven für die Weltwirtschaft, zumal wenn China den Renminbi weiter abwerten sollte. In dem Umfeld könnte sich die Korrektur am weltweiten Aktienmarkt kräftig ausweiten.

Meinungen/Einschätzungen dazu? Droht in 2016 ein deutlicher Crash? Bisher war es ja eher eine Korrektur...

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 40

Da stecken so viele Annahmen drin, daß man überhaupt keinen substantiellen Text mehr findet.

China hat nicht massiv die Weltwirtschaft gestützt, sondern die eigene Binnenkonjunktur angekurbelt. Diese entwickelt sich natürlich langsamer als eine Exportstruktur, d.h. naturgemäß ist der Zuwachs der Wirtschaftsleistung in China nun langsamer (aber immer noch expandierend mit Raten, die westliche Länder träumen lassen sollten). Die chinesische Wirtschaft schwächelt nicht, sondern expandiert nur langsamer. Wer träumt denn von zweistelligen Wachstumsraten auf die Dauer?

China hat keine Konjunkturflaute, sondern eine Rückkehr in Richtung der Normalität, wie sie auch in den anderen Industrieländern üblich ist. Den Status des "Emerging" Markets hat China schon länger verlassen. Daher ist nun mit dem Ende vor allem des chinesischen Baubooms auch die Rohstoffnachfrage geringer. Schau doch mal, wo die Rohstoffpreise stehen... WTI war auch 2005/2006 bei 40-50 USD. Kupfer ist auch nicht wirklich billig. Fracking ist  aus meiner Sicht umweltschädlicher Unsinn und ohnehin zu teuer. Was soll's?

Natürlich steigen die Risikospreads für High-Yields, wenn am langen Ende Zinserhöhungen absehbar sind. Im langfristigen Vergleich sind wir jedoch immer noch in einem Umfeld mit sehr geringen Ausfallsquoten.

Historisch betrachtet gehen Abflüsse aus den nicht-US-Märkten immer mit Zuflüssen im US-Markt einher. Daher ist ein Stand des S&P 500 auf diesem Niveau zu erwarten, denn irgendwo müssen die Amerikaner ja investieren. Das ist hoch, aber auch nicht extrem teuer. Von einer Blase würde ich nicht sprechen.

Analysten schreiben viel. Und ab und zu hat sogar einer davon recht. Welcher, das kann man ja erst im Nachhinein sagen - und das ist das Wahnwitzige an der Branche. Ein Crash kann immer drohen. Viel wichtiger ist jedoch, daß nach einem Crash auch eine Erholung kommt. Vorbörslich stand der DAX heute schon unter 9.800 Punkte. Kurse in Zeiten urlaubsbedingt geringer Liquidität an den Börsen sind etwas extremer als die Kurse zu normalen Zeiten. Man sollte sich nicht von solchen Volatilitäten verrückt machen lassen, sondern solide weiter investieren... diversifizieren... und die Augen nach Schnäppchen offen halten.

Kommentar von microgeo ,

Danke, du hast sicherlich recht. Trotzdem habe ich derzeit noch eine relativ hohe Cashquote und stocke nur in kleineren Portionen auf. Was mich im Depot überrascht hat, ist die Tatsache, dass einige ETFs während der Turbulenzen besser da stehen als so mancher aktiv gemanagte Fonds.

Kommentar von gandalf94305 ,

Ich würde auch noch etwas warten, denn bis die ganzen Leute aus dem Urlaub zurück sind und die Marktlage verarbeitet haben, kann noch etwas dauern. Allerdings glaube ich nicht an den großen Crash. Daher habe ich in den letzten Monaten auch ein paar Positionen reduziert und per Puts die Abwärtsbewegung noch mitgenommen. Erste China- und Asia/Pacific-Positionen habe ich wieder aufgestockt und Russland ist derzeit auch recht günstig. Südkorea und Türkei finde ich aktuell unterbewertet. Als antizyklischer Anleger reduziere ich daher die gut gelaufenen Positionen in den Industrieländern und stocke dafür die Emerging/Frontier Markets lanagsam wieder auf.

Antwort
von betroffen, 39

Eine Crash-Gefahr ist eigentlich vorüber, denn wir befinden uns zur Zeit schon in einem Absturz.

Seit 2 Wochen geht's in Deutschland und Europa bergab. Seit einer Woche in Amerika und Asien.

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