Frage von guensing, 35

Aktiensplit bei Google in Deutschland steuerfrei oder steuerpflichtig?

Anfang April 2014 hat es bei der US-Aktiengesellschaft Google einen Aktiensplit 1 : 1 gegeben. Die einzige Besonderheit bestand darin, dass die Google-Altaktien stimmberechtigt waren, die über den Split hinzugekommenen Google-Aktien aber stimmrechtslos sind. In der FAZ vom 4.4.2014 ist ein Artikel von Kuls zu diesem Google-Aktiensplit veröffentlicht, in dem es heißt: "Am Börsenwert ändert sich durch die Teilung der Aktien nichts." Infolge des Aktiensplits 1 : 1 halbierte sich also der Wert der Google-Altaktien, und als Ausgleich kamen in gleicher Anzahl neue stimmrechtslose Googel-Aktien hinzu. Die Google-Aktionäre haben insoweit durch den Split weder einen Gewinn noch einen Verlust gehabt. Nun hat aber eine Frankfurter Depotbank ihren betroffenen Google-Aktionären auf den Wert der infolge des Splits dazugekommenen stimmrechtslosen Google-Aktien deutsche Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag berechnet, so dass infolge unverständlicher deutscher Steuern für diese Google-Aktionäre aufgrund des Splits ein Vermögensverlust resultiert. Ist dieser steuerliche Eingriff in das aus dem Google- Aktiensplit unverändert herausgekommene Vermögen richtig oder falsch?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo guensing,

Schau mal bitte hier:
Steuern Aktien

Antwort
von guensing, 35

Das Bundesministerium für Finanzen hat diese Frage inzwischen dahingehend beantwortet, dass dieser Google-Aktiensplit als Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln zu werten und in Deutschland steuerfrei ist.

Kommentar von gammonwarmal ,
Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 21

Vorab: die Vorgehensweise der Besteuerung ist korrekt.

Warum ist das so?

Wenn eine Aktiengesellschaft (in- oder ausländisch) einen Split durchführt, d.h. zu einem festen Schlüssel der Umrechnung die alten Aktien durch neue ersetzt, wäre das steuerneutral. Eine Besteuerung erfolgt in Deutschland dann nicht mit Durchführung des Splits, sondern erst mit Veräußerung. Ein Beispiel ist Berkshire Hathaway in 2010 mit einem Split von 50 zu 1, der effektiv den Kurs der Aktie von ca. 3.300 USD auf 65 USD reduzierte. Auch Fonds führen solche Splits durch, z.B. Carmignac Investissement vor nicht allzu langer Zeit. Man bekommt für die gehaltenen Anteile dann gleiche Anteile zugebucht, die über die gleiche Ausstattung wie die alten Anteile verfügen.

Bei Spin-Offs passiert etwas anderes. Man hat ein Unternehmen wie Ford, das einen Teil als eigenes Unternehmen mit Börsennotierung abspalten will. In diesem Fall behält man die Aktien des Mutterunternehmens, bekommt jedoch im Rahmen des Spin-Offs Aktien an der neuen Gesellschaft eingebucht. Das wird wie eine Stock Dividend behandelt, d.h. ist zu versteuern im Moment des Zuflusses.

Google hat eine Variante gewählt, die im Prinzip so wie ein klassischer Aktiensplit funktioniert, jedoch den Weg über die Stock Dividend realisiert, d.h. eine neue Klasse von Aktien emittiert. Daher ist auch dieser "Split" zu besteuern, da es sich streng genommen nicht um einen Split handelt.

Das folgt eher dem Dividendenmodell, bei dem ja auch nach Dividende die Aktie weniger wert ist und ein entsprechender Betrag zur Auszahlung kam. Google hat also keinen Split durchgeführt, sondern eine Dividende in Höhe von 50% des Werts in Form neuer Aktien gezahlt.

Man könnte nun annehmen, daß ein Verkauf vor der Kapitalmaßnahme und ein Neukauf nach dieser (Kursveränderungen mal außer Acht gelassen) eine Option wäre, um dem Problem zu entkommen. Weit gefehlt! Würde man die ganze Position verkaufen und wieder kaufen, so müßte auf den Ertrag der kompletten Google-Position Abgeltungsssteuer gezahlt werden, nicht nur auf die neu emittierten Aktien. Die einzige wirkliche Alternative wäre hier also die Realisierung von Verlusten mit anderen Wertpapieren, um diese dann gegen die "Split"-Gewinne zu verrechnen.

Kommentar von guensing ,

Teil-Besteuerung des beim Google-Aktiensplit unveränderten Vermögens nur deshalb, weil die Altaktien ein Stimmrecht und die Split-Aktien kein Stimmrecht und deshalb beide naturgemäß eine andere WKN haben, ist keinesfalls gerechtfertigt. Wirtschaftlich ist der Vorgang für den Aktionär ohne Gewinn oder Verlust, absolut vermögensneutral. Diesen wirtschaftlichen Hintergrund haben auch Staat und Fiskus zu beachten, und der vermögensneutrale Vorgang darf nicht mit raffinierten Spitzfindigkeiten dazu ausgenützt werden, Aktionäre um einen Teil ihres unveränderten Vermögens durch steuerliche Abzüge zu bringen. Deshalb kann die Besteuerung der Google- Splitaktien keinesfalls fair, ehrlich, rechtmäßig sein, sondern ist nichts anderes als grobes Unrecht.

Kommentar von gandalf94305 ,

Du kannst gerne eine Gesetzesänderung herbeiführen, um das zu korrigieren.

Tatsache ist jedoch, daß Google diesen Weg gewählt hat. Damit wurde die Besteuerung zwangsweise so vorgeschrieben. Google hätte ja auch einen einfachen Split durchführen können - haben sie aber nicht, da sie eine neue Aktiengattung einführen wollten. Das ist nun mal genau der Fall, der zu einer Besteuerung führt.

Es ist mir klar, daß Du das als unfair empfindest, aber seit wann hat Steuerrecht etwas mit Fairness und Logik zu tun?

Auch eine Dividendenausschüttung ist für einen Aktionär ohne Gewinn oder Verlust, da der Aktienkurs ex-Dividende ja um die Dividende reduziert wird. Dennoch wird die Ausschüttung besteuert, d.h. je höher die Ausschüttung, desto größer der Nachteil für einen Anleger.

Kommentar von guensing ,

Bei dem in Betracht stehende Aktiensplit bei Google vom 2.4.2014 ging es nicht um Ausschüttung einer Dividende aus einem Bilanzgewinn und auch nicht um einen irgendwie vergleichbaren Bonus, sondern darum, durch den Split die Zahl der Aktien zu verdoppeln und den betroffenen Aktionären Stimmrechtsanteile zu entziehen. Dabei blieben das Kapital von Google und das Vermögen der Google-Aktionäre unverändert, letztere wurden vielmehr nur um einen Teil ihrer Stimmrechte zur Hauptversammlung gebracht. Diesen wirtschaftlichen Vorgang als eine Art Dividendenausschüttung oder dividendenähnlichen Bonus werten zu wollen, ist vollkommen abwegig.

Kommentar von gandalf94305 ,

Es ist mir klar, daß Du das so siehst, aber wenn wir mit "abwegigen" Dingen aufräumen wollten, fallen mir gleich noch ein paar ganz andere Punkte ein. Beispielsweise die Nichtverrechenbarkeit von Verlusten mit Anleihen oder Aktien bei Insolvenzen, die Besteuerung von Zwischengewinnen oder die Abschaffung von Spekulationsfristen für Wertpapiere. Das ganze Steuersystem ist doch so komplex, daß man von Logik nicht mehr sprechen kann und als einzige Intention das Schröpfen der Steuerzahler gesehen werden muß. Die Finanztransaktionssteuer könnte ein weiteres Mosaikteilchen im Bild werden.

Daher kann ich Dir auch nur so sagen, daß an der Entscheidung der ING-Diba nicht zu rütteln ist, denn diese steht auf dem Boden des geltenden Steuerrechts.

Kommentar von guensing ,

Dass das ganze deutsche Steuersystem auf das Schröpfen der Steuerzahler als einzige Intention ausgerichtet sei, das sehe ich bisher nicht so. Aber dass steuerlicher Missbrauch wie im Falle des Google-Split nicht rechtmäßig ist, davon bin ich nach wie vor überzeugt, ging es da doch nur darum, Stimmrechtsanteile von Google-Aktionären zu reduzieren; so etwas hat niemals Erträge-Charakter und es als angebliche Erträge besteuern zu wollen, ist und bleibt rechtswidrig, sogar überdies verfassungswidrig. Auch die Banken müssten sich eigentlich dagegen wehren, zu derart rechtswidrigem Fiskalverhalten Beihilfe zu leisten.

Kommentar von guensing ,

Bei gutefrage.net empfiehlt "Nasdaq 14" dem ensprechenden Fragesteller "Tommi2012" Widerspruch gegen die Besteuerung einzulegen, und diese Empfehlung ist unbedingt richtig!

Kommentar von gandalf94305 ,

Das ändert nichts an der geltenden Rechtslage. Der Einspruch ist symbolisch und wird abgewiesen werden. Dieser Fall ist nun mal sehr eindeutig.

Den Fehler hat Google gemacht, indem sie eine entsprechende Kapitalmaßnahme mit negativen steuerlichen Auswirkungen tätigten. Lege also bei Google einen Einspruch ein.

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