Frage von Catchitup, 16

Aktienkurs bei Ausgabe von Aktien

Guten Tag

Eine nicht gelistete Aktiengesellschaft gibt z.b 1'000'000 neue Aktien zu einem Nominalwert von 0.1 EUR aus. Vor einer Woche konnte ich Aktien im Wert von 2 EUR erwerben. (Emissionspreis 2 EUR)

Nun möchte ich wieder Aktien dazukaufen. Diese kosten jetzt aber 4 EUR.

1.Was sind Gründe für die Verdoppelung des Aktienpreis? Das Unternehmen ist nicht gelistet und ist am Anfang der Produktionsphase. (noch keine abgesetzten Produkte)

  1. Wie berechne ich den Kurs der Aktie?

Besten Dank

Antwort
von gandalf94305, 16

Ist denn schon wieder Hausaufgabenzeit? Hübsch runde Werte deuten darauf hin. Können die BWLer nicht ihre Aufgaben selbst machen?

Vorab: Aktien repräsentieren einen Anteil am Unternehmen. Die monetäre Bewertung des Unternehmens, sowie das ggf. mit der Aktie verbundene Stimmrecht müssen also in die Preisfindung einer Aktie eingehen.

Mit den gegebenen Daten ist das eine typische BWL-Aufgabe, bei der irgendein Dozent ein Koordinatensystem an die Wand malt und zwei mehr oder weniger reguläre Kurven, die sich irgendwo schneiden. Nun plaudert er ein paar Stunden über den Schnittpunkt, sagt dem harmlosen Studenten jedoch nicht, wie man überhaupt auf diese Kurven kommt. Erinnert mich an den Witz mit der Dose Bohnen... ok... zurück zum Thema:

Bei Emission kann der Preis auf Basis einer Unternehmensbewertung festgelegt werden. Jedoch sind hier ggf. Darlehensverpflichtungen und Risiken aus dem Geschäft zu berücksichtigen. Stellt man nun etwas später fest, daß diese Bewertung sich ändert, verändert sich natürlich auch die Marktvaluierung der Aktie. Beispiele für Höherbewertungen:

  • es wurde bereits vor Produktionsbeginn ein Vertriebsabkommen oder eine Abnahmegarantie mit einem Partner abgeschlossen
  • eine Marktumfrage läßt gute Absatzzahlen vermuten
  • noch bestehende Risiken der termingerechten Bereitstellung der Produktionsanlage bestehen nicht mehr (z.B. wenn man unbedingt ins Weihnachtsgeschäft muß, ist der Zeitpunkt der Produktionsfähigkeit wesentlich)
  • der Kapitalbedarf = die Darlehensaufnahme fällt geringer als erwartet aus
  • ein neuer Investor ist eingestiegen und hat zusätzliches Kapital eingebracht
  • gesetzliche Veränderungen sind eingetreten, die das Geschäft begünstigen
  • ...vieles mehr...
Kommentar von gandalf94305 ,

Noch ein Punkt:

Bei Emission kaufst Du von der Emittentin direkt (Primärmarkt).

Beim zweiten Mal kaufst Du in einem illiquiden Sekundärmarkt, der nicht über eine Börse läuft, sondern Altaktionäre aus der Emission müssen Dir die Aktien verkaufen. Wenn diese jedoch dem Unternehmen (z.B. aus interner Sicht heraus) mehr Potential beimessen, als die Unternehmensbewertung hergibt, dann verlangen Sie natürlich einen deutlich höheren Preis.

Kommentar von Catchitup ,

Danke. Kann sich der Aktienpreis am Primärmarkt ebenfalls ändern oder gibt es immer einen fixen Emissionspreis für eine gewisse Zeit?

Das heisst wenn der Aktienpreis vor einer Woche noch 2 EUR war (Eimissionspreis) dann bestimmt nun die Aktiengesellschaft, dass der Preis, unter anderem auf Grund Deiner Beispiele ,jetzt nach einer Woche 4 EUR ist.

Die Berechnung macht die AG? Könnte demnach bei falscher Bewertung völlig überteuert oder zu billig sein?

Kommentar von gandalf94305 ,

Eine Emission besteht aus einer Zeichnungsperiode, in der potentielle Investoren Gebote abgeben, und der eigentlichen Emission, d.h. Zuteilung von Aktien. Dies ist ein Zeitpunkt, nicht eine Periode. Du kannst also nicht "am Primärmarkt" wie im Supermarkt heute 10 Aktien und morgen nochmals 20 kaufen, sondern dafür müßte ein Gebot über 30 Aktien vorliegen, die Zuteilung gibt Dir 30 Stück (wenn die Aktie nicht überzeichnet ist) und das war's.

Bei nicht börsennotierten Gesellschaften gibt es meist keine formale Zeichnungsperiode für die Öffentlichkeit, sondern nur beschränkt für einen kleinen Kreis von Investoren. Manchmal gibt es überhaupt nur einen Investor, an den ein Aktienpaket verkauft wird.

Wenn die Aktiengesellschaft nach einem Jahr eine erneute Emission durchführt, um beispielsweise eine Kapitalerhöhung durchzuziehen, dann kann sie natürlich auch einen höheren Preis verlangen - aber wenn die Investoren das für zu teuer halten, werden nicht viele die neuen Aktien haben wollen.

In Sekundärmärkten wird mehr oder weniger in Grenzen der Preis durch Angebot und Nachfrage gebildet, d.h. hier ist alles für Spekulanten, langfristige Investoren und alles dazwischen offen.

Kommentar von Catchitup ,

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

Kann die Aktiengesellschaft dann bei der Aktienerhöhung verschiedene Preise verlangen?

Wie gesagt war der Preis vor einer Woche bei 2 EUR, nun sind noch 1/3 der auszugebenen Aktien verfügbar und der Preis is nun bei 4 EUR.

Das heisst, wenn ich als AG Aktien herausgebe, z.B. 1'000'000 Stücke, kann ich 500'000 zu 2 EUR, 300'000 zu 3 EUR und die letzten 200'000 zu 4 EUR herausgeben?

Dadurch wüde sich der Aktienkurs rein durch die Nachfrage von 2 EUR auf 4 EUR ändern? Wie bestimmt dann die AG, dass der Aktienkurs bei den 200'000 4 EUR ist und nicht 3.5 EUR z.B?

Antwort
von Tritur, 9
  1. Die Nachfrage
  2. Der Preis wird nicht errechnet, er ergibt sich aus Angebot und Nachfrage
Kommentar von gandalf94305 ,

Ei, wie wird den bei einem nicht an der Börse gelisteten Unternehmen der Kurs für seine Aktien auf Angebot und Nachfrage bestimmt? Umfrage per Twitter?

Kommentar von Tritur ,

Es gibt auch einen außerbörslichen Handel.  

Antwort
von Privatier59, 5

Klingt nach einer Hausaufgabenfrage. Dem Lehrer der so was aufgibt sollte man die Ohren so lang ziehen daß er aussieht wie Bugs Bunny.

Zu 1: Woher sollen wir denn wissen, aus welchem Grund jemand auf einmal doppelt so viel für die wertlose Aktie haben will?

Zu 1: Mit dem Taschenrechner.

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