Frage von microgeo, 87

Aktienbestände kann man mit Teilschutzzertifikaten absichern, wie funktioniert das und wann macht das Sinn?

Was sind überhaupt Teilschutzzertifikate? Ich möchte z.B. eine Position wie Nestle gegen größere Stürze absichern. Wer kann mir das z.B. anhand der Aktie Nestle erläutern wie das genau funktioniert? Und ist das teuer oder nicht? Wann macht das Sinn?

Antwort
von gandalf94305, 72

Zunächst mal: eine Absicherung wird man nicht mit vollem Kapitaleinsatz vornehmen, d.h. es handelt sich immer um Hebelprodukte oder strukturierte Produkte mit gehebelten Konstituenten.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege dafür:

- Put-Optionsscheine: diese haben eine feste Laufzeit und liefern einen Return, wenn der Kurs des Basiswerts unter einen gewissen Ausübungspreis fällt. Damit kompensierst Du die Verluste im Basiswert und bist unterhalb des Ausübungspreises neutral aufgestellt (bzw. sogar mit Gewinn, wenn die Volatiliät steigt und zum Preis deutlich beiträgt). Oberhalb des Ausübungspreises hast Du die Kosten des Optionsscheins abzüglich des Restwerts als "Versicherungskosten" zu tragen. Finanzierungskosten führen zu einem Abschmelzen des Preises bis zur Fälligkeit.

- Short Knock-Outs: diese haben eine feste oder unbefristete Laufzeit und funktionieren ähnlich wie Optionsscheine, nur hat die Volatilität keinen Einfluß. Der Ausübungspreis bzw. die Schwelle steigt im Laufe der Zeit an, um die erforderlichen Finanzierungskosten abzudecken. Wird die Schwelle überschritten, verfällt das Knock-Out-Papier wertlos.

Mit diesen Instrumenten könntest Du selbst einen Schutz gegen Kursrückgänge abbilden.

Ein Garantiezertifikat auf Nestlé (kompletter Schutz vor Verlusten) wäre also eine Aktie plus ein Put. Unterhalb des Ausübungspreises des Puts hast Du keine Verluste mehr. Oberhalb davon partizipierst Du 1:1 an der Kursentwicklung der Aktie - abzüglich der Kosten für den Put.

Ein Teilschutzzertifikat (im Grunde ein Reverse-Bonuszertifikat) wird mit einer speziellen Variante von Put konstruiert, einem "Down-and-out-Put". Dieses Hebelpapier verfällt wertlos, wenn der Basiswert unter eine vorher definierte Schwelle fällt. Damit bist Du gegen moderate Kursrückgänge bis zur Schwelle "versichert", partizipierst jedoch bei Unterschreiten der Schwelle an den Verlusten 1:1.

Kommentar von gandalf94305 ,

> Der Ausübungspreis bzw. die Schwelle steigt im Laufe der Zeit an

Sorry, bei Short Mini Futures geht diese Schwelle natürlich Schritt für Schritt zurück, um die Finanzierungskosten zu decken.

Kommentar von microgeo ,

Kennst du zufällig eine gute Seite zum Thema? Ich habe jetzt z.B. ein Teilschutzzertifikat auf Nestle gesucht, bin aber nicht fündig geworden. Gibt es dafür spezielle Seiten?

Kommentar von gandalf94305 ,

Ja, die Seiten für Bonuszertifikate bzw. Reverse-Bonuszertifikate :-)

Kommentar von Logan ,

Kleiner Flüchtigkeitsfehler, oder ich interpretiere die Klammer falsch... Reverse Bonus ^ Up-and-out.... => bzw. das "reverse" ist überflüssig, da die Erklärung für ein Bonus stimmig ist....

Kommentar von gandalf94305 ,

Ja, so ist das, wenn man schnell einen Text einhämmert und dabei vor lauter Bonus und Reverse Bonus irgendwie nur noch Bäume sieht :-) Den Fehler mit den Mini-Futures habe ich noch eingefangen.

Ein Bonuszertifikat bietet den Teilschutz bis zu einer gewissen Untergrenze, ab wo man dann wieder voll an Verlusten partizipiert.

Ein Reverse-Bonuszertifikat wäre ja die Short-Variante davon, die hier nicht gefragt ist.

Danke, daß Du meinen Text gründlich gelesen hast! :-)

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