Frage von holidaylover,

Agrarwetten-wie lange können diese noch bestehen?

Die DZ Bank steigt nun auch aus - darf man hoffen, daß bald alle Banken einsehen, daß dies keine gute Investition ist? Was haltet ihr von Agrarwetten im allgemeinen? Sind diese verantwortlich für für spekulative Preisspitzen bei den Lebensmitteln?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305,

Das ist Nonsense und eher Geschäftspolitik zur Schönwaschung der einzelnen Banken.

Zunächst mal solltest Du verstehen, daß der Begriff der "Wette" bereits polemisch ist. Es gibt Futures, die den Handel bestimmter Rohstoffe - u.a. auch Agrarrohstoffe - ermöglichen. Futures bieten einem Käufer heute die Gelegenheit, für einen Kauf in der Zukunft einen bestimmten Preis zu vereinbaren.

Derivate auf diese Futures ermöglichen auch eine Preisabsicherung, d.h. sollte der Preis für z.B. Weizen massiv fallen, kann ein Lieferant seine Einnahmenausfälle damit kompensieren. Ebenso kann eine Lufthansa ihre Kerosinpreise durch entsprechende Optionen oder Futures gegen Erhöhungen absichern. Das Gleiche geht auch mit Wechselkursrisiken.

Wenn nun jemand Futures kauft, ohne die Absicht des Erwerbs der entsprechenden Rohstoffe, sondern einfach auf eine Preissteigerung z.B. durch Wetterereignisse oder Verknappung hofft, dann wäre das eine Spekulation und keine Absicherung. Das kann sich dann durchaus in Preisspitzen oder auch Preistiefs ausdrücken. Preisspitzen sind logischerweise für Käufer schlecht, während Preistiefs für die Verkäufer nicht gut sind.

Allerdings werden die tatsächlichen Preise für Rohstoffe - auch Agrarrohstoffe - nicht auf Basis von Terminmärkten und Futures gebildet, sondern andersherum. Der "faire" Wert von Futures und Optionen/Optionsscheinen bemißt sich an Angebot und Nachfrage auf dem realen, physischen Rohstoffmarkt. Wird dieser z.B. bei 700 USD/Scheffel Weizen erwartet, dann freut sich jemand, der diese Futures für 650 USD kauft, jedoch jemand, der hier für 750 USD zuschlägt, hofft auf weitere Preissteigerungen. Verkauft wird nachher entsprechend Angebot und Nachfrage zu den 700 USD (die man bis zum eigentlichen Verkaufszeitpunkt jedoch nicht kennt).

Spekulanten haben kein Interesse, Tonnen von Schweinehälften oder Weizen oder Kakao zu kaufen. Sie wollen nur an den Termingeschäften teilhaben. Naturgemäß müssen sie also diese vor Fälligkeit wieder verkaufen. Während also der Terminmarktpreis für Rohstoffe sehr volatil sein kann, bedeutet das nicht, daß man in der Welt mehr oder weniger Weizen oder andere Rohstoffe verkauft.

Die sogenannten Spekulanten haben sogar etwas Positives: sie sorgen für Liquidität, d.h. einen fortlaufenden Handel in den Terminkontrakten. Das glättet Volatilitäten bis zu einem bestimmten Grad, da Investoren unterschiedlicher Terminhorizonte unterwegs sind.

Wer ist aber nun wirklich schuld an steigenden Nahrungsmittelkosten? Nun, man könnte die Fed als Problemfall #1 heranziehen. Durch das billige Geld, das sie in den Markt pumpt, wird der USD geschwächt und somit steigen die in USD bemessenen Rohstoffpreise. Das wirkt sich auch auf die Käufer-Länder negativ aus, deren Wirtschaft zu klein ist, um Preise deutlich zu beeinflussen, jedoch mit ihren Währungen einem schwachen USD aufgrund von Exporten folgen müssen.

Die DZ-Bank und die LBBW mögen aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen aussteigen, um sich einen netten Anstrich zu geben, aber sie spielen auch überhaupt keine wesentliche Rolle in diesen Märkten. Sie können es sich leisten. Die großen Spieler in diesem Bereich werden hoffentlich engagiert bleiben, um ihre Liquiditätsfunktion aufrecht zu erhalten. Dagegen die Fed und auch andere Zentralbanken, die eine Politik des billigen Geldes verfolgen, sollten in ihre Grenzen gewiesen werden, um nicht Preisspiralen weiter anzufachen. Während sich Deutschland oder die USA eine Inflation von 2-3% "leisten" können, wäre eine Erhöhung der ohnehin schon deutlichen Inflationsraten in vielen anderen, ärmeren Ländern verheerend.

Antwort
von freelance,

in den globalen Märkten wird die DZ Bank nicht auffallen. Man wird es nicht merken, wenn die Bank nicht mehr aktiv ist auf den Rohstoffmärkten.

Wieso sollten andere Akteure aufhören? Mit Einsicht allein hat das wenig zu tun. Und es sind nicht nur Wetten, die dort stattfinden, sondern es gibt auch sinnvolle Produkte.

Die Rohstoffmärkte wird es weiterhin geben. Ob ich alles dort gut finde, ist eine andere Sache.

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