Frage von Privatier59, 350

Abfindung für Vorruhestand

Ein Schulfreund von mir fragte mich um Rat in folgender Sache:

Er arbeitet seit etwa 30 Jahren als Lagerarbeiter in einem bekannten Chemieunternehmen und ist seit mehreren Monaten krank geschrieben. Wegen diverser Leiden ist er als Schwerbehinderter mit über 50 MdE anerkannt. Bei seinem Alter von 57 Jahren und 4 Monaten hätte er noch bis ca. zum 65sten Lebensjahr warten müssen um in den regulären Ruhestand gehen zu können. Nun meldet sich bei ihm die Personalabteilung, will mit ihm eine Vorruhestandsvereinbarung treffen und bietet 135.000 Euro dafür als Abfindung an. Die wäre natürlich mit Steuern und Sozialabgaben belegt.

Ist die Höhe der angebotenen Abfindung angemessen? Gibt es dafür Berechnungsformeln?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von hubkon, 282

Hallo Privatier59,

Sie schreiben:

Abfindung für Vorruhestand

seit mehreren Monaten krank geschrieben!

Schwerbehinderter mit über 50 MdE.

Alter von 57 Jahren und 4 Monaten.

Vorruhestandsvereinbarung treffen und bietet 135.000 Euro dafür als Abfindung!

Antwort:

Das Krankengeld ist auf maximal 78 Wochen, einschließlich Lohnforrtzahlung, befristet! Dann erfolgt Aussteuerung!

Es bleibt dann nur noch das ebenfalls individuell zeitlich befristete ALG 1!

Danach droht ggf. eine finanzielle Notlage!

Da Ihr Freund bereits gesundheitlich sehr angeschlagen ist, sollte er sich auf gar keinen Fall mit einer Abfindung aus seinem Arbeitsverhältnis abspeisen lassen!

So eine Abfindung, beziehungsweise das, was im Endeffekt davon übrigbleibt, ist sehr schnell verbraucht und dann kommt ein finanzielles Desaster, wenn keine private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit vorhanden ist!

Das ist eine Rechnung mit sehr vielen Unbekannten!

Besser ist es allemal, eine volle Erwerbsminderungsrente zu beantragen und diese konsequent durchzuboxen!

google>>

deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232616/publicationFile/49858/erwerbsminderungsrente_das_netz_fuer_alle_faelle.pdf

Krankenakte gründlich aktualiseren und optimieren:

google>>

erwerbsminderungsrente.biz/ihre-hausaufgaben/fruehrente-beantragen-und-der-rote-faden/

Kompetenten Rechtsbeistand hinzuziehen:

google>>

vdk.de/deutschland/pages/mitgliedschaft/64026/rechtsberatung

google>>

ra-buechner.de/meldungen/M121-Arbeitslosengeld-nach---125-SGB-III-muss-solange-gezahlt-werden,-bis-die-Rentenversicherung-Erwerbsminderung-positiv-festgestellt-hat-.php

Fazit:

Der Arbeitgeber will diesen kranken Arbeitsnehmer elegant loswerden!

Wer in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr leistungsfähig ist, wird ausgesondert!

Wie will dieser Mann die Zeit bis zur Altersrente überbrücken?

2015-57=1958 geboren!

Der Mann ist vor dem 2.1.1961 geboren und hat in der DRV ggf. Vertrauensschutz wegen Berufsunfähigkeit, wenn er in seinem allgemein anerkannten und ausgeübten Beruf dauerhaft nur noch 3 bis unter 6 Stunden belastbar ist!  Hier käme dann ggf. die sogenannte Arbeitsmarktrente zum Tragen, wenn der Teilzeitarbeitsmarkt versperrt ist!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von Privatier59 ,

Für diesen sehr ausfühlichen Beitrag danke ich ganz besonders. Er hat meinem Freund wichtige Denkanstöße gegeben.

Antwort
von Tollpasch01, 201

Das hängt davon ab, wie die Vorruhestandsvereinbarung genau aussieht. Aus den gemachten Angaben allein kann das nicht beurteilt werden.

Gerade in Großunternehmen werden in solchen Fällen Vereinbarungen getroffen, die bis zum frühest möglichen Renteneintritt einen Prozentsatz zwischen 90% und 100% des bisherigen Nettogehaltes garantieren. Die Auszahlung erfolgt dann als Abfindung in einer Summe.

Vertraglich wird seitens des AG vereinbart, dass sich der "Vorruheständler" zu einem Zeitpunkt arbeitslos melden muss, an dem direkt im Anschluss daran der Renteneintritt, auch mit Abzügen, erfolgen kann. Die Differenz zwischen ALG1 und dem vereinbarten Prozentsatz des Nettogehaltes wird ausgeglichen und ist in der Abfindungssumme ebenfalls enthalten.

Also ist das Fazit, dass die Abfindungshöhe abhängig ist von der Höhe des jetzigen Nettogehaltes. Da das nicht bekannt ist, kann die Richtigkeit der Summe auch nicht beurteilt werden.

Kommentar von Privatier59 ,

Stimmt! Die Angabe des Nettogehalts fehlt. Ist mir leider auch nicht bekannt.

Antwort
von williamsson, 181

Ob die Summe angemessen ist, ergibt sich aus dem Nettogehalt. Das ist hier nicht angegeben. Lohnerhöhungen in Zukunft werden hier ebenfalls nicht berücksichtigt. So allgemein erscheint mir die Summe aber in Ordnung. Frag doch mal Deine Gewerkschaft bzw. Deinen Betriebsrat.

Antwort
von Snooopy155, 178

ich stufe diese Abfindung als angemessen ein. Ob es allerdings aus Sicht des Arbeitnehmers ausreichend ist sei dahingestellt. Hierzu sollte man wissen welche Lebenshaltungskosten und andere Einnahmen der Freund hat und wie seine Chance auf dem Arbeitsmarkt ist, eine Anschlußbeschäftigung zu finden. Des weiteren wäre zu prüfen, welche betriebliche Altersversorgung gegeben ist und ob hier die Auszahlung bereits mit 60 Jahren vereinbart werden kann - egal ob er zu diesem Zeitpunkt bereits Rente bezieht oder nicht.

Antwort
von Tina34, 162

Frag ihn mal ob er zufällig 4500,- Brutto im Monat verdient. Wenn ja haben die es sich sehr einfach gemacht 30 x 4500,00 = 135.000,- €

Kommentar von Privatier59 ,

Mir ist mittlerweile das Nettoeinkommen bekannt und wenn ich das hochrechne, dürfte das diesem Bruttoeinkommen entsprechen.

Kommentar von Tina34 ,

die haben einfach pro Jahr ein Bruttogehalt genommen. Allerdings dürfte es wesentlich teurer für die Firma werden wenn das vor Gericht geht, schon alleine durch den Schwerbehindertengrad. Ich denke da geht noch mehr.

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