Frage von HerrSchmidt1, 211

Abbezahlen Annuitätendarlehen vor Zinsbindungsfrist

Hallo liebes Forum,

meine Bank schreibt mir auf Anfrage, dass ich mein Darlehen (mit einer Ausnahme, die für mich nicht zutrifft) nicht vor Ende der Zinsbindungsfrist kündigen kann. Die Frist ist auf 15 Jahre festgelegt. Ich tilge derzeit mit dem Maximalanteil von 10%/Jahr und wäre Ende kommenden Jahres auf 0.

Frage 1: Verstoße ich durch "Laufenlassen der hohen Tilgungsrate" gegen den Vertrag mit der Bank? Wie wird die Bank reagieren? Frage 2: Macht es ggf. Sinn, die Rate auf das vertragliche fixierte Minimum von 1%/Jahr zu reduzieren, so dass ich die Rückzahlung "künstlich" auf 10 Jahre strecke (Nach 10 Jahren kann ich meines Wissens gesetzlich vorzeitig den Vertrag kündigen, egal was für eine Frist in meinem Vertrag steht. Auf die 15 Jahre bekomme ich ihn nicht mehr gestreckt, da die Restschuld dafür zu gering ist . Vielen Dank für Eure Antworten!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo HerrSchmidt1,

Schau mal bitte hier:
Bank Darlehen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LittleArrow, 160

meine Bank schreibt mir auf Anfrage, dass ich mein Darlehen (mit einer Ausnahme, die für mich nicht zutrifft) nicht vor Ende der Zinsbindungsfrist kündigen kann. Die Frist ist auf 15 Jahre festgelegt.

Hier irrt die Bank (möglicherweise). Sie sollte die gesetzlichen Bestimmungen besser kennen als ihr Kunde und daher keine falsche Auskunft geben. Meine Einschränkung "möglicherweise" deshalb, weil es den Fall gibt, dass das Darlehn über einen mehrjährigen Zeitraum (z. B. 4-5 Jahre) nach Baufortschritt ausgezahlt wurde und/oder nicht vollständig ausgezahlt wurde.

Die Frist ist auf 15 Jahre festgelegt. Ich tilge derzeit mit dem Maximalanteil von 10%/Jahr und wäre Ende kommenden Jahres auf 0.

Das wirft Fragen auf:

  1. Wann erfolgte die letzte Kreditauszahlung (Datum)?

  2. Wurde das vereinbarte Darlehen vollständig ausgezahlt?

  3. Ab wann (Datum) galt die Zinsbindungsfrist?

  4. Ist der Maximalanteil von 10 %/Jahr vertraglich festgelegt?

  5. Auf welchen Wert beziehen sich die 10 %?

Nach 10 Jahren kann ich meines Wissens gesetzlich vorzeitig den Vertrag kündigen, egal was für eine Frist in meinem Vertrag steht.

Hierzu ist der genaue Text des § 489 Abs. 1 Ziff. 2 BGB lesenswert:

""§ 489 Ordentliches Kündigungsrecht des Darlehensnehmers (1) Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzinssatz ganz oder teilweise kündigen, 1. .... 2. in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten; wird nach dem Empfang des Darlehens eine neue Vereinbarung über die Zeit der Rückzahlung oder den Sollzinssatz getroffen, so tritt der Zeitpunkt dieser Vereinbarung an die Stelle des Zeitpunkts des Empfangs.*"

Mit der Ziffer 2. werden die obigen Rückfragen 1 - 3 verständlich. Ich kann Dir nicht sagen, ob und wann Deine 10 Jahre begonnen haben, aber jedenfalls nicht mit dem Vertragsdatum!

Und klar ist dann auch, per wann die evtl. zulässige Kündigung wirksam werden kann.

*Ich tilge derzeit mit dem Maximalanteil von 10%/Jahr und wäre Ende kommenden Jahres auf 0. *

Wenn vertraglich eine jährliche Sondertilgung von max. 10 % der Darlehnssumme möglich ist und diese Variante regelmäßig ausgenutzt wird, dann kann der Kreditsaldo unter Berücksichtigung der anfänglichen Tilgungsquote von mind. 1 % p.a. in weniger als 10 Jahren zurückgeführt werden. Eine Darlehnskündigung ist dann nicht erforderlich, weil der Kreditsaldo Null ist.

Die letzte jährliche Sondertilgung ist der dann ausstehende Kreditsaldo, aber wegen der zwischenzeitlich erfolgten monatlichen Tilgungsanteilen idR ein Wert von unter 10 %.

Kommentar von HerrSchmidt1 ,

Besten Dank für die ausführliche Antwort! ich tilge seit 2007. Zinsbindung ist bis 2022. Sonderzahlung ist 1 x jährlich möglich in Höhe von 5% der Darlehenssumme. Flexible Raten möglich zwischen 1% und 10% des Darlehensbetrags jährlich. M.E. hat mir meine Bank "eine falsche Antwort auf meine Frage gegeben.

Mein Verständnis ist nun: Ich tilge weiterhin zu den mir gestatteten Maimal-Konditionen und bin daher in 2015 auf 0. Eine vorzeitige Kündigung liegt dadurch aber nicht vor. Ich verhalte mich also vertragsgemäß und zulässig. Pech für die Bank, dass ich so fix durch bin.

Kommentar von LittleArrow ,

Ich tilge weiterhin zu den mir gestatteten Maimal-Konditionen und bin daher in 2015 auf 0. Eine vorzeitige Kündigung liegt dadurch aber nicht vor. Ich verhalte mich also vertragsgemäß und zulässig. Pech für die Bank, dass ich so fix durch bin.

So sehe ich das auch. Deine Bank hat diesem Zahlungsverhalten offenbar nicht widersprochen. Hat sie Dir nach letzten Sondertilgung/Zahlungsänderung einen aktualisierten Tilgungsplan geschickt?

Für eine Kündigungsüberlegung müßten ja noch meine Fragen 1 - 3 beantwortet werden.

Sonderzahlung ist 1 x jährlich möglich in Höhe von 5% der Darlehenssumme. Flexible Raten möglich zwischen 1% und 10% des Darlehensbetrags jährlich.

Die genaue Formulierung der "flexiblen Raten" würde ich interessieren. Die Sondertilgung ist offenbar genau festgelegt: 5 % der Darlehnssumme einmal jährlich; also nicht weniger.

Aber was ist genau unter "flexibler Rate" zu verstehen? Die Änderung der monatlichen Annuität und/oder der Tilgungsquote? Wie häufig kann geändert werden? Und für welchen Zeitraum gilt dann diese Änderung mindestens?

Ohne die vertraglichen Formulierungen zu kennen, ist es schwer, Dir eine konkretere Antwort zu geben.

Kommentar von HerrSchmidt1 ,

Die Regelungen zur flexiblen Rate sind in meinem Fall folgende : Während der Gesamtlaufzeit kann 2 x kostenfrei die Höhe der Rate angepasst werden -> Ich habe mit 3% anfänglicher Tilgungsrate begonnen, Die monatliche Rate lag bei ca. 1400 €. -> Nach einigen Jahren habe ich das erste Mal angepasst auf 10%. Die monatliche Rate liegt bei ca. 2400 €. -> Zusätzlich bediene ich regelmäßig die jährliche Sondertilgung (max. 5% vom Darlehensbetrag)

Kommentar von HerrSchmidt1 ,

hier noch ein Nachtrag: Vielleicht habe ich mich auch unklar ausgedrückt?: Es geht mir nicht um Kündigen des Vertrags, mir geht es um die Zulässigkeit des "auf 0 tilgens" vor Ablauf der Zinsbindungsfrist. Beste Grüße und herzlichen Dank für die Unterstützung!!

Kommentar von HerrSchmidt1 ,

noch der Vollständigkeithalber: 1. Wann erfolgte die letzte Kreditauszahlung (Datum)? -> 30. Nov.2007 2. Wurde das vereinbarte Darlehen vollständig ausgezahlt? -> ja 3. Ab wann (Datum) galt die Zinsbindungsfrist? -> 30. Nov. 2007

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für Deine Ergänzungen. Eine Kündigung wäre kontraproduktiv, denn sie ist erst am 30.11.2017 zum 30.05.2018 möglich.

Zahle Deine vertragsgemäß erhöhten Raten (und Sondertilgungen) weiter wie bisher, bis der Saldo auf Null ist.

Du bekommst zum Jahresende einen Kontoauszug, auf dessen Basis Du sicherlich genauer berechnen kannst, wann Dein Saldo auf Null ist.

Antwort
von Mikkey, 140

Wenn eine maximale Tilgung vereinbart ist, kannst Du die auch in Anspruch nehmen.

Wenn dadurch Ende 2015 kein Saldo mehr vorhanden ist, mag vielleicht der Kreditvertrag noch bis zum Ende der Laufzeit weitergehen, Kreditraten sind dann aber nicht mehr zu zahlen.

Antwort
von HerrSchmidt1, 128

Hallo Forum, besten Dank für Eure Antworten, auch wenn Sie teilweise widersprüchlich sind: Sinngemäß schreibt der Eine, dass in meinem Fall wohl Vorfälligkeit zu berappen sei. Ein anderer schreibt sinngemäß, dass ich, da ich die Option "10%" gewissermaßen käuflich erworben habe, ohne weitere "Strafen" auf 0 tilgen kann. Gibt es die eine richtige Antwort? Weitere Info: Ich darf lt. Vertrag flexibel zwischen 1-10% tilgen. Ich darf zusätzlich jährlich eine Sonderzahlung leisten.

Antwort
von gammoncrack, 97

http://www.wehrt.de/vorfaelligkeitsentschaedigung/hohe-vorfaelligkeitsentschaedi...

Hier Absatz 5:

*Von Bedeutung für den Umfang der geschützten Zinserwartung sind ebenso sog. Sondertilgungsrechte. Dabei bedeuten diese besonderen Tilgungsrechte, dass der Darlehensnehmer nach seiner Wahl jedes Jahr einen bestimmten Betrag seines Darlehens entschädigungsfrei zurückzahlen kann. Diese entschädigungsfreien Rechte sind auch bei einer vorzeitigen Darlehensablösung zu beachten, anderenfalls würde der Kunde seiner Bank mehr auszugleichen haben als ihre wirtschaftlichen Nachteile, denn unter einer ungestörten Vertragsbeziehung hätte er diese Optionsrechte auf entschädigungsfreie vorzeitige Rückzahlung auch allesamt geltend machen können. Die entschädigungsfrei rückzahlbaren Teile des Finanzierungskapitals gehören nicht zur geschützten Zinserwartung der Bank.Sondertilgungsrechte sind Optionsrechte des Kunden, für deren Einräumung er bei Vertragsschluss mit der Zustimmung zu einem höheren Darlehenszinssatz bezahlte. *

Nach 10 Jahren kann ich meines Wissens gesetzlich vorzeitig den Vertrag kündigen, egal was für eine Frist in meinem Vertrag steht

Korrekt, aber es sind dann 10,5 Jahre.

Antwort
von Sobeyda, 104

Ist mit der Bank vereinbart, dass Du 10% jährlich tilgen kannst? Dann verstößt Du nicht gegen den Vertrag und kannst das so laufen lassen. Da die Bank die 10% akzeptiert, gehe ich davon aus, dass das aus ihrer Sicht ok ist.

Die Tilgung auf 1% zu senken, wenn Du das Geld für 10% hast, würde ich nicht machen, da zahlst Du nur viele Jahre unnütz Zinsen, weil Du kaum tilgst. Dann kannst Du auch gleich die Vorfälligkeitsentschädigung zahlen.

In meinem juristischen Laienverständnis ist die komplette Tilgung auch keine Kündigung, der Vertrag wird beendet, weil einfach alles zurück gezahlt wurde. Kündigen kann man doch nur etwas, wo noch etwas da ist. Wenn Du unsicher bist, frag' doch bei deer Bank nach.

Kommentar von Hanseat ,

DH ! So ist es, vorzeitige Tilgung ist nicht gleich Kündigung.

Antwort
von billy, 89

Deine Bank weist mit dem Anschreiben darauf hin das offensichtlich keine Sondertilgungsvereinbarung besteht. Da Du die Tilgung auf 10% angehoben hast, (vertraglich vereinbart sind 1 %) ist das Darlehen entsprechend früher bezahlt. Wie es scheint wird die Bank den Vertrag nicht ohne Entschädigung früher beenden wollen (Verhandlungssache).

Kommentar von Hanseat ,

Hääää ? Wo steht das denn, und in welchem "Anschreiben" ?

Es gibt Darlehen da kann man die Höhe der Tilgung während der Laufzeit wechseln, bis z.B. 10 % !

Die Frage nach einer Vorfälligkeitsentschädigung stellt sich hier gar nicht.

Kommentar von gammoncrack ,

Es musste doch nun einmal was geschrieben werden.

Antwort
von Primus, 82

Wer vorher aussteigen will, muss der Bank den Gewinn, der ihr entgeht, in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung auf einen Schlag bezahlen. Banken sind nicht verpflichtet, Darlehen vor Ablauf der Zinsbindung zurückzunehmen.

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