Grundsicherung im Alter - neue und gute Antworten

  • Grundsicherung bei Hauseigentum und Minirente(67 Jahre)?
    Hilfreichste Antwort von cyracus ·

    Ergänzend zur Antwort von Juergen010:

    Für finanziell arme Mieter gibt es ja Mietzuschuss, für Wohneigentümer gibt es Lastenzuschuss. Prüfe mal, wie weit Dein Bekannter mit solch einem Lastenzuschuss und seiner Rente kommen kann:

    Lastenzuschuss Rechner

    http://www.geldsparen.de/lastenzuschuss-rechner/

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    Harald Thomé ist besonders fit in Rechtssachen bezüglich Grundsicherung nach SGB II (= ALG II = Hartz IV) und SGB XII (= Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit). - Hier findest Du schon mal wichtige Anhaltspunkte:

    Richtlinien Kosten der Unterkunft und Heizung für Leistungsbezieher nachSGB II und SGB XII

    http://www.harald-thome.de/media/files/richtlinien/KdU-Gro--Gerau-Kreis---01-04-...

    Da wird auch auf Wohneigentum eingegangen. - Die Angaben beziehen sich zwar auf einen bestimmten Kreis, wie genau das Grundsicherungsamt am Wohnort Deines Bekannten vorgeht, kann er / könnt Ihr erfahren in einer Sozialberatung vor Ort. - Google dazu mit

    Sozialberatung

    und füge seinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls der klein ist). Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die
    Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband
    oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin.

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    Von der Übernahme einer Hausversicherung ist mir nichts bekannt (was aber ja nicht heißen muss, dass es das nicht gibt). Bekannt ist mir, dass bei Grundsicherung nach SGB XII die Übernahme der angemessenen Kosten für Haftpflicht- und Hausratsversicherung übernommen wird. Und die Kosten für Krankenversicherung wird übernommen (anteilig werden die ja von der Rente abgezogen, anteilig zahlt das Grundsicherungsamt).

    Wohneigentümer bekommen Zahlung für Heizkosten. Natürlich können wir Dir keine Zahlen nennen, wir sind ja keine Hellseher. Das klärt Ihr am besten vor Ort in der Sozialberatung. - Beim Überfliegen der von mir ergoogelten Infos finde ich u.a. dies mit genaueren Angaben zu Heizkosten:

    http://www.harald-thome.de/media/files/Kdu2/KdU-Germersheim-LK---01.11.2011.pdf

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    Grundsicherungsbezieher werden allgemein von der Rundfunkgebühr befreit. Antragsformular gibt es beim Grundsicherungsamt.

    Weiter sollte er sich erkundigen, ob der öffentliche Nahverkehr für Grundsicherungsbezieher eine Kostenermäßigung anbietet. Auch dafür gibt es dann Unterlagen beim Grundsicherungsamt.

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    Die Rente Deines Bekannten wird so aufgestockt, dass gesichert ist, dass er den (nicht gerade üppigen) Regelsatz zum Leben hat (zur Zeit 404 Euro, und ab 2017 soll er bombastisch erhöht werden: 5 Eurönchen mehr). Zusätzlich angemessene Wohnkosten (für Mieter ist das einfacher zu beantworten) sowie die Kosten für die Krankenversicherung. Kommt bei Mietern kein Warmwasser aus der Leitung, sondern per Boiler, gibt es auch einen (zu niedrigen) Zuschuss hierfür.

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    Falls es für Deinen Bekannten okay ist, einen Raum zu vermieten, kann er ja mal ausrechnen, wie er klar kommen würde mit Rente, Mieteinnahme, Lastenzuschuss (der sich möglicherweise durch die Mieteinnahme ändert).

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    Wichtig zu wissen ist für Deinen Bekannten auch, dass das Schonvermögen für Grundsicherungsbezieher nach SGB XII deutlich niedriger ist als der für Arbeitslose = SGB II. Er darf Vermögen in Höhe von 2.600 Euro besitzen. Dazu gehört Barvermögen, das Picasso-Bild an der Wand, besonders wertvolle antike Möbel, Schmuck (wobei es hier auch Schon-Härtefälle geben kann, also beim Schmuck, nicht beim Picasso).

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    Wenn Dein Bekannter zum Grundsicherungsamt geht, kann er sich von einem erfahrenen Beistand, auch Ämterlotse genannt, begleiten lassen (Du kannst ihn ja zusätzlich begleiten). - Dazu vorsorglich diese Hinweise von mir, die ich Grundsicherungsbeziehern nach SGB II und SGB XII reingebe. Es ist leicht zu erkennen, was auf Deinen Bekannten zutrifft - gib sie ihm zu lesen:

    Umgang mit Sozialbehörden

    Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
    Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
    persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem
    mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen.
    (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben
    rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

    Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen,
    in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es mehrere
    Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum dieses
    Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift
    bestätigen lassen.

    Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
    Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
    wird).

    Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet
    werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch,
    eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie
    eine Kostbarkeit hüten)
    . - Nicht (oder angeblich nicht) abgegebene
    Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht gedeutet werden,
    was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. - Und: Werden so die
    Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache
    zügiger bearbeitet.

    Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
    jobcenter unterlagen verloren
    und lies auch dies:
    Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterla...

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    Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
    Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
    Vertrauen
    landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
    (wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

    .

    Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
    Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
    macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
    auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
    mit 13 sgb 10):

         (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
               einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
               gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
               unverzüglich widerspricht.

    Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
    Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

         Ämterlotsen
         Behördenlotsen
         Behördenbegleiter
         Hartz IV Mitläufer
         Hartz IV Gegenwind e.V.
         Wir gehen mit org

    Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
    (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
    Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
    (Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
    des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
    Du ein Recht.)

    Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
    Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
    sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

    Google mit

    legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

    und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche
    Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei
    Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

    In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
    etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
    gesagt.

    Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände /
    Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen.

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    Ach ja: Es gibt nicht Lastenzuschuss und aufstockende Grundsicherung, sondern Lastenzuschuss ODER aufstockende Grundsicherung.

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    Alle 2 Antworten
    Kommentar von Monacofranze ,

    Vielen Dank für die sehr umfangreiche Antwort. Damit kann ich erstmal leben, um den Bekannten zu beruhigen. Die Ämtergänge werde ich zum Teil begleiten.

    Kommentar von cyracus ,

    Danke fürs Sternchen - ҉ •✿⊱ (¯`'•.¸(¯`'•.¸ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ¸.•'´¯)¸.•'´¯) ⊰✿• ҉

    Kommentar von cyracus ,

    Für den Fall, dass Dein Bekannter einen Raum vermieten will, google mit

    mietrecht Zimmer vermieten

    und mit

    mietrecht Zimmer vermieten finanzamt

    Google auch, wie unterschiedlich die Rechte sind bei Leervermietung und möblierter Vermietung.

    Auch Themen wie das Rauchen können sehr wichtig sein. Tabakrauch verteilt sich ja durch die feinsten Ritzen durchs ganze Haus und versifft so die Räume, Möbel, Kleidung. - Ich könnte nicht einen Tag mit einem Raucher zusammenleben.

    Falls dies auch ein Thema für Deinen Bekannten ist: Der künftige Mieter darf (so ich weiß) verschweigen, dass er Raucher ist, also lügen. Weil die Justiz den Bedürfnissen der Nichtraucher immer noch hinterherhinkt, und das Verquarsten der Räume als normales Wohnen beurteilt (es sei denn, es wird exzessiv gequalmt), kann so einem Mieter nicht deshalb gekündigt werden. - Google dazu mit

    unterschied möbliert vermieten

    und mit

    unterschied möbliert vermieten kündigen

    Beim googeln mit

    möbliert vermieten kündigen

    finde ich z.B. dies:

    http://www.mieterbund.de/index.php?id=628

    (Rechtliche Hinweise auf Untervermietung zählen hier ja nicht, weil Dein Bekannter selbst kein Mieter ist.)

  • Welche gesetzliche Grundlage gibt es dafür, dass das Grundsicherungsamt einen Umzug zahlen muß und wie weit weg darf man ziehen?
    Antwort von Gaenseliesel ·

    Hallo,

    selbstverständlich kannst du umziehen, auch in ein anderes Bundesland. 

    Allerdings sollte der Umzug mit dem Sozialamt abgestimmt werden. Mietkautionen und Umzugskosten können bei vorheriger Zustimmung übernommen werden. 

    Wie deiner Frage u.a. zu entnehmen ist, kannst du diesen Wohnungswechsel sogar plausibel begründen !!!!

    Eine solche nachvollziehbare Begründung

    (.........." Das Haus, in dem ich wohne, soll jetzt verkauft werden und ich muß ausziehen.")  

    ist für eine positive Entscheidung zur Kostenübernahme schon mal von Vorteil.

    Alles Gute !